Samstag, 24. Mai 2014

Pauls Ernst des Lebens

Wir bekommen viele Fragen zu Pauls Schule, und ich vertroeste im Allgemeinen alle damit, dass es morgen/bald/irgendwann einen Blogeintrag dazu gibt.
Nachdem ich heute schon einen ausnehmend produktiven Tag hatte, an dem ich einige Morgen/bald/irgendwann-Dinge erledigt habe (zum Beispiel unsere staubgeplagten Fenster geputzt), also der Schulbericht, und zwar am besten von Anfang an.

Paul war ja ein spaeter Kindergartengaenger. Nach einem gescheiterten Versuch noch in Ilmenau, und dann einem kurz nach unserer Ankunft in den USA, sah es nicht gerade rosig aus mit seiner Kindergartenzukunft. Sowohl Paul als auch ich hatten hohe Ansprueche, und da ich hier sowieso nicht arbeiten darf (die Steuererklaerung hat meinen Beruf schoen umschrieben mit dem Wort homemaker - "Zuhausemacher"), war es mir wichtig, die Zeit und Muehe zu investieren, die
es brauchen wuerde, damit Paul sich wohlfuehlt.

Mit der Nanny Anfang letzten Jahres hatten wir eine gute Uebergangsloesung, und als wir im April den insgesamt dritten Kindergarten besichtigten, sagte Paul sofort "Ja, da will ich hin!"
Der Kindergarten (bzw. hier (pre)school - (Vor-)Schule genannt) ist recht - unkonventionell. Nicht Steffi-unkonventionell, eher fuer-Deutsche-nicht-vorstellbar-unkonventionell.

Doch waehrend wir Eltern uns regelmaessig in Geduld und Vertrauen ueben koennen (zum Beispiel, wenn der Sonnenhut auf dem Schulausflug verloren geht, oder der Bus mit den Kindern auf dem Schulausflug verloren geht (mit Karte fahren ist ja langweilig), oder wenn die Erzieher beschliessen, fuer eine Weile ihre Hunde mit in die Schule zu bringen, oder wenn ich ein Kind wiederbekomme, dessen neu genaehte Kleidung mit lila Acrylfarbe bemalt ist), liebt Paul seine Schule ueber alles.
Diese Woche verkuendete er "Ich will nie gross werden, damit ich immer in meine Schule gehen kann!"

Und wenn das Kind vormittags 3h gluecklich aus dem Haus ist, werde ich mich nicht ueber Kleinigkeiten aufregen ;)

In der Schule gibt es etwa zwei Mal die Woche Aktivitaeten, die von Personen ausserhalb der Schule geleitet werden. Da diese recht haeufig wechseln, hat Paul schon Bauchtanz, Yoga, Zeichensprache, mexikanischen Tanz, Hip-Hop und Gymnastik ausprobiert.
Als die Zeichensprache-Lehrerin im Februar aufhoerte, sprach mich ein Erzieher an "Kennst du jemanden, der gut eine andere Sprache ausser Englisch spricht?" Im Scherz antwortete ich "Ich spreche ziemlich ausgezeichnet Deutsch."
Und so wurde ich Deutsch-Lehrer im Kindergarten.

Die Deutschstunden sind ein Langzeitexperiment. Es gibt mittlerweile eine German Core Group (Deutsch-Kern-Gruppe), bestehend aus Paul und zweien seiner Freunde, die jede Stunde mit Freude erwarten und motiviert mitmachen.
Die Nicht-Kern-Gruppe ist allerdings um ein Vielfaches groesser und besteht aus Kleinkindern in den unterschiedlichsten Rebellions-Phasen: Ich-spreche-mit-niemandem-ausser-meiner-Mama-Phase, Ich-trommle-immer-dann-laut-wenn-Steffi-anfaengt-zu-reden-Phase, Schaun-wir-mal-was-Steffi-so-in-ihrer-Handtasche-hat-Phase, Ich-male-immer-die-Moebel-an-wenn-niemand-hinschaut-Phase und natuerlich den Superrebellen: Ich-versuche-die-Kinder-die-gerade-Deutsch-lernen-wegzulocken-um-mit-mir-Bausteine-zu-spielen-Phase.
Mittendrin mein lieber Sohn, der zum Ueber-Streber mutiert und alle ermahnt, die den Deutschunterricht zu gefaehrden drohen (ein Vollzeitjob).

Als wir aus unserem Deutschlandurlaub wiederkamen, wurde uns mitgeteilt, dass die Schule vorruebergehend geschlossen hat, da es einen Streit mit der Kirche, deren Raeumlichkeiten sie mietete, gab. Obwohl ich die Geschichte nur von der Seite der Schule erzaehlt bekam, muss ich sagen, dass ich die Kirche verstehe. Genau genommen hat sie sich ausserordentlich christlich und geduldig verhalten.
Wie dem auch sei, vor 2 Wochen war es endlich so weit: Die Schule hatte Wiedereroeffnung, nur einen halben Kilometer entfernt vom alten Standpunkt. Obwohl die Grundflaeche deutlich kleiner ist, wurde wirklich gut eingerichtet und es fuehlt sich gemuetlich an. Paul hat sich sehr gefreut, wieder hingehen zu koennen (und seine Mutter auch).

Nun mache ich Schluss, und habe schon wieder genug Ideen fuer ein Dutzend weitere Blogeintraege. Dieses Wochenende wird naemlich unsere WG aufgeloest, und es gab einen schweren Hagelsturm (immer ist irgendwas...).


Im Auto - wartend auf das Ende des Hagelsturms.





Liebe Gruesse!



Mittwoch, 21. Mai 2014

Wie ein Klempner in New Mexico...

Wir hatten in den letzten zwei Jahren eine ganz erstaunliche Menge an Rohrbruechen. Der erste Weihnachten 2012, dann einen im Winter 2013, und zwei im letzten Fruehjahr. Seitdem gab es keinen mehr...
Es wurde also mal wieder Zeit.

Letzte Woche rueckte ich eine Kiste in der Garage weg, unter der Wasser stand. Mehr Kisten ruecken, mehr Wasser. Achja.

Wir haben den Nachbarn gerufen, der das Haus fuer die Besitzer (die in Californien leben) verwaltet. Dieser erzaehlte, dass der Stammklempner des Hauses wohl so schlecht war, dass sie ihn nicht mehr anrufen wollten.
Nach guter Recherche hat der Nachbar daher eine neue Klempnerfirma bestellt (die Recherche bestand darin, zu einem Klempnerauto zu gehen, das vorm Haus eines anderen Nachbars stand, und ihn in unsere Garage zu fuehren...).

Die Klempner begannen, Loecher in unsere Wand zu schneiden und mit ihren Taschenlampen darin herum zu leuchten. Mehrere Loecher nebeneinander, untereinander, sie nahmen ein Regal ab und holten massig verfaulte Holzwolle aus der Wand. Auch wenn es ziemlich offensichtlich war, dass ein scharf begrenzter Teil der Wand nass war, und der Rest trocken, schnitten sie "nur zum Sichergehen" auch noch einen dreiviertel Meter weiter auf.
Dies sollte sich noch einige Zeit hinziehen. Insgesamt haben sie bis heute 8 Mannstunden damit verbracht, Loecher zu schneiden und umher zu gucken.

 Gestern haben sie ihre dritten Besuch mit den schoenen Worten beendet:
"Nun, wir wissen auch nicht, was das Problem ist!
 Es hat irgendwas mit der Waschmaschien und den Wasserrohren zu tun. Am besten, Sie gehen mehrmals taeglich in die Garage und schauen, ob Sie sehen, wo das Wasser herkommt. Wenn Sie das rausgefunden haben, rufen Sie uns wieder, und dann reparieren wir es."

Da ich eine gehorsame deutsche Frau bin, suchte ich also fuer die Klempner nach dem Rohrteil in der Wand, aus dem das Wasser herauskam.
Als ich es gefunden hatte, rief ich die Klempner wieder.

In einer erneuten Wandsuch-Aktion bestaetigten sie mit meinen Fund und erklaerten, das Problem waere eine Verstopfung im Rohr.
Aha.
Ob ich wolle, dass sie das beheben, oder ob ich dafuer eine andere Firma bestellen mag?
Da ich kein Experte im Klempnergeschaeft bin, fragte ich, ob sie keine verstopften Rohre beheben. Doch, doch. Sie wollten nur mal wissen, ob wir nicht vielleicht auf eine andere Firma umsteigen moegen.


Was?!


...
Aus welchem Grund genau bieten Handwerker mitten waehrend der Arbeit an, ihnen zu kuendigen?
Das erinnerte mich an unseren ersten Gaertner, der, nachdem er die Haelfte des Gartens vom Unkraut befreit hatte, verkuendete, dass er nun geung Geld verdient habe und nach Hausegehen moechte.

Ach, New Mexico...

Liebe Gruesse!

Dienstag, 6. Mai 2014

Noch mehr Besuch

Von mir aus koennte es ja immer Besuch geben. Besuch empfangen, andere besuchen, zusammen viele leckere Dinge essen, die Kinderbespassung abtreten und von den vielfaeltigen Talenten der Verwandtschaft profitieren (darauf komme ich spaeter noch zurueck).

Dieses Bild hat nichts mit dem Blogeintrag zu tun...

Von Donnerstag bis heute war mein Papa aus Illinois hier.
Obwohl wir leider grosses Pech hatten und Paul ab Donnerstag Abend krank war, hatten wir eine richtig schoene Zeit mit Lego spielen, Bowlen, Eis und Pizza essen und online bei ARD die Sendung mit der Maus gucken.

Zwei Maenner mit einer Mission.

Ganz besonders habe ich mich ueber Papas tatkraeftige Hilfe in unserem Garten gefreut, und wir haben zusammen ein Beet angelegt. Dieses hat zwar totale Suedlage und wird sicher sehr warm und sonnig (die Ueberlebensfaehigkeiten der Pflanzen werden sich noch herausstellen), aber es sieht sehr schick aus, und ich als Garten-Nullchecker waere auf so manche Ideen gar nicht gekommen (wie zB, dass Rindenmulch drueber kommt).


Schoen sonnig war es auch.
Und auch die Programmier- und Mathematikfaehigkeiten meines Vatis waren sehr nuetzlich, auf das Ergebnis muss ich allerdings noch zwei Wochen warten und berichte dann.

Giessen, giessen, giessen. Im Hintergrund sieht man, dass unsere Wiese auch langsam wieder gruen wird!

Nun warten wir sehnsuechtig (oder, genauer: ich warte sehnsuechtig) auf die Wiedereroeffnung von Pauls Kindergarten. Der hatte naemlich waehrend unseres Deutschlandurlaubs seinen Mietvertrag gekuendigt, und zieht nun seit 3 Wochen um. Am 12.5. soll es wieder losgehen - das wird allen gut tun (Paul bekommt mehr Kinderkontakt, und ich bekomme wieder mehr Kontakt mit meinem Mathestudium).

Liebe Gruesse!

Samstag, 26. April 2014

Stuermische Zeiten

Bei aller Liebe fuer das new-mexikanische Wetter mit seinem ewigen Sonnenschein, den endlosen, warmen Sommernaechten und den wunderbar kalten, hellen Wintertagen, den sinnflutartigen Regenfaellen nach langen, heissen Sommertagen - eine Zeit im Jahr ist wirklich unangenehm: die Monate Maerz und April.
In unserem ersten Jahr verpassten wir sie gerade und kamen im angenehmen Fruehsommer an, und letztes Jahr gab es mit dem Umzug so viele Neuigkeiten, dass ich nicht darueber schrieb. Daher werde ich mich nun besonders auslassen ueber unsere Sandstuerme (mit Schimpfwoertern).

Ich weiss gar nicht, wo genau sie herkommen. Vermutlich aus dem Westen oder Norden? Gefuehlt direkt aus der Hoelle.
Es beginnt mit einem Windchen, das Anfang Maerz immer mal aufkommt, etwas staerker als angenehm, aber noch aushaltbar. Sandsturmanfaenger werden denken "Heute ist es ungewoehnlich windig." Haha.
Zwischen Mitte und Ende Maerz duerfte allen klar sein, dass es sich nicht mehr um Windchen handelt. Alle zwei bis drei Tage fegen Stuerme durch Albuquerque, die Muelltonnen umschmeissen, Aeste abbrechen und alles, aber auch wirklich jedes letzte Ritzchen mit Sand fuellen.

Zum besseren Vorstellen: diese Arbeitsflaeche in der Kueche hatte ich am Mittag gewischt. Dann kam Sandsturm. Hinterher konnte man drauf malen.

Um noch einen draufzusetzen, fangen Anfang April die "Cottonwoods" an, ihren Samen zu verteilen. Das sind hier sehr beliebte Baeume, die sowohl mit der hohen Sonneneinstrahlung als auch mit dem knappen Wasserangebot gut zurecht kommen, doch man bezahlt einen Preis: sie werfen (eigentlich niedliche) Flauschbaellchen ab. So viele, dass teilweise ganze Wiesen wie beschneit aussehen.
Und der Hoellenwind weht diese kuscheligen Scheissbaellchen einfach absolut ueberall hin.

 Heute gab ich waehrend einer besonders schlimmen Episode "Wetter Albuquerque" ein und Google antwortete "Sandsturm". Logisch. Jede andere Information wird hinfaellig, wenn Sandsturm herrscht.


Kleine Regen-Nach-Sandsturm-Wiedergutmachung.

Zum Glueck bin ich seit letztem Wochenende mit diesem Schaetzchen gluecklich vereint:

Zusammen kaempfen wir und warten auf weniger stuermische Zeiten...


Liebe Gruesse!

Freitag, 18. April 2014

Heimkehr

3 Wochen waren wir nun in der Heimat. Die meisten der Blogleser hatten das Vergnuegen, uns live und in Farbe zu sehen :)

Jo.


Zuerst flogen wir nach Frankfurt und fuhren von dort nach Ilmenau zu meiner Mama. Die Reise war, gemessen an ihrer Laenge, eigentlich erstaunlich angenehm - auch wenn Paul nun alt genug ist, um die ganze Strecke ohne Schlafen zu bewaeltigen.



Christian flog dann auch gleich wieder weiter zu einem Workshop in Italien, und Paul und ich genossen die alte Heimat (uebrigens dachte ich die ganze Zeit "So viel Wasser, hier muessen so viele Menschen leben koennen!" - und fuehlte mich wie im (Thueringer) Regenwald).


Guck mal! SO VIEL Wasser!


Es gibt sogar Baeume zum Ranhaengen!
In NM haengt sich niemand an Baeume. Niemand will riskieren, einen der insgesamt 20 Baeume in NM zu beschaedigen.

Wir trafen Verwandtschaft, Kinder- und Erwachsenenfreunde und ich liess mich sehr gluecklich jeden Tag bekochen (sooft haben wir ja nicht den Luxus, von Mama bekocht zu werden), bespassen und auf den neusten Stand bringen. Paul unternahm eine Schatzsuche im Garten inklusive echtem Schatz, kletterte auf dem Boden und loeschte mit seiner Spielzeugfeuerwehr so manches kleines Feuer im Garten (hach, macht kokeln Spass!). Wir dachten uns Bachspringen, Katzenranzen und Musikschiessen aus - bei Interesse gebe ich die Spielanleitungen gerne weiter (Tipp: man braucht einen Bach, eine Katze und ein Klavier).

Noch ein Tipp: Das ist nicht Musikschiessen.

Nach einer sehr schoenen Woche machten wir uns mit dem inzwischen wiedergekehrten Christian mit dem Zug auf nach Falkensee. Die meiste Vorfreude bzgl. der Deutschlandreise hatte Paul an der Aussicht, non-stop mit Opa spielen zu koennen, und die beiden haben das auch gebuehrend umgesetzt.
Im Rathaus, auf diversen Spielplaetzen, in der Feuerwache und zu Hause hatten die beiden fast rund um die Uhr Spass (Opa hat eine Betriebspause/Spielen-zu-Ende-Zeit von 23 Uhr eingefuehrt, aber ich bin positiv, dass Paul die sicher bei jedem Besuch eine weitere Stunde nach hinten verschieben kann).
In der Zwischenzeit liessen wir Erwachsenen uns wieder von Mama bekochen; Christian arbeitete ein bisschen, und ich ging einem Hobby nach, zu dem ich ja sonst nicht komme, naehen :)

[Hier sollten jetzt die Photos aus Falkensee sein. Ich habe aber nur Naehbilder anzubieten. Entweder mir schickt noch jemand welche zu, oder ihr muesst mir einfach glauben, dass wir dort waren. Das ist mal ultimativer Urlaub: nichtmal ein Bild vom eigenen Kind gemacht ;-)
Wie waere es stattdessen mit einem suessen Tierbild?]

Zwei Freunde wiedervereint, nachdem wir sie aus ihrer jeweiligen Urlaubsbetreuung abgeholt haben.


Insgesamt war der Urlaub fuer uns viel entspannender als mit dem 3jaehrigen Paul, und wir planen, Im September gleich nochmal zu kommen.

Liebe Gruesse!

Samstag, 15. Februar 2014

Alles Gute zum ersten Geburtstag

In diesem Blog wird ein Aspekt meines Lebens gnadenlos unterrepraesentiert: unser Huendchen.

Abgesehen von ein paar Gastauftritten in diversen Bildern habe ich mir bis jetzt verkniffen, mich ausgiebig ueber ihn auszulassen - soweit ich weiss, hat nicht einer meiner Blogleser selbst einen Hund und so beschraenke ich mich ja meinstens auf wirklich interessante Themen wie Wetter, Kind und Urlaub.

Heute aber nicht.

1 Jahr ist er heute alt, Fusion. Oder auch Puppy, Fuse, Fuse-Babe, Nervensaege oder, wie Paul ihn gerne nennt Fusy-Baby.

Am ersten Tag bei uns, noch ein Baby!


Als er im Sommer zu uns kam, hatte ich grosse Plaene fuer ihn. Endlich ein Hund, der Lust hatte, mit mir bis ans Ende der Welt (Wueste) zu wandern, hunderte Tricks zu lernen, Sport zu machen, an meiner Seite klebt und immer aufgelegt ist fuer alles, was ich mir ausdenken kann (diese Beschreibung trifft naemlich eher nicht auf Max zu).
Und wenn ich schon mal was anfange, dann ja richtig, und so suchte ich einen Welpen der intelligentesten und hyperaktivsten Rasse ueberhaupt aus: einen Border Collie.
(Wir hatten ja immer Langeweile...)



Christian findet uebrigens, das war die perfekte Wahl. Ihm zufolge bin ich ein Border Collie in Menschenform. Oder der Hund ist ich in einem (furchtbar niedlichen!) Hundekoerper.
Wie dem auch sei, vom ersten Moment an war ich in ihn genauso verliebt wie in meine beiden Maenner.
Hach! Das weiche Fell, die grossen Augen, und die unglaubliche Bereitschaft, alles zu tun, was ich sage.

Mittlerweile kann er an die 50 Kommandos, wir machen Agility (eine Hundesportart), und stimmen (endlich) darueber ueberein, dass Enten und Kraniche nicht dafuer existieren, von ihm gejagdt zu werden.



Neben dem Ernst und Arbeitseifer, den er an den Tag legt, ist er gleichzeitig voellig immun gegen den Gedanken, dass es auch nur einen Menschen auf der Welt geben koennte, der ihn nicht von Herzen liebt. Mit einer "Na komm, du willst es doch auch"-Einstellung knutsch er gnadenlos alle zu Boden, von Livia ueber meine Mama bis hin zu voellig fremden Menschen, die ihm hallo sagen.

(Dieses grenzenlose Selbstbewusstsein hat ihm schon zwei Mal einen Platz in einem Photoshooting, an dem wir vorbei spaziert sind, beschwert)

Er bringt uns seine schlammigen Baelle ins Bett, springt mir spontan auf den Schoss, wenn ich studiere, und kann rueckwaerts die Treppe hoch laufen. Er sortiert seine Spielzeuge selber ein, klettert in Koffer und schafft es einfach nicht, genug Selbstkontrolle aufzubringen, um den unbekannten Pizzalieferanten nicht abzuschlecken.

Eine abschreckende Mischung aus Intelligenz und Distanzlosigkei?
Fuer mich der perfekteste, lustigste und niedlichste Hund der Welt.



Nachdem ich letztens einen wunderbaren (englischen) Artikel zum Thema Erwachsensein gelesen habe, kann ich sagen:
Wenn erwachsen sein heisst, dass ich nicht drueber lachen kann, dass mir mein schlammiger Hund euphorisch ins Gesicht springt, weil er gerade den Stock seiner Traeume gefunden hat, dann will ich nicht erwachsen sein.



So ist das mit der (Hunde-)Liebe!


Viele Gruesse!

Sonntag, 9. Februar 2014

Anders ist es anderswo

Dieser Blogeintrag hat sich so langsam in meinem Kopf geformt, waehrend unser Deutschlandurlaub naeher rueckt. Was ich wohl drauf antworten wuerde, wenn du bekannten Fragen kaemen "Was ist denn nun anders? Wie ist es anders? Was ist besser, was ist schlechter?" (Vielleicht haben wir diese Fragen in den letzten 1,5 Jahren auch erschoepfend beantwortet, dann koennt ihr den Tab mit unserem Blog wieder schliessen und andere interessante Dinge im Internet lesen gehen).

Was ist anders?
Natuerlich ist es heiss und sonnig, alle moegen Chilli und feiern ihren Nationalfeiertag wie Weihnachten.
Aber auf einer tieferen, allgemeineren Ebene?
Nachdem ich lange darueber nachgedacht habe, wie man die Antwort auf diese Frage kurz und buendig formulieren kann (Mathestudentenangewohnheit), glaube ich, eine Moeglichkeit gefunden zu haben:
Es gibt keinen strengen, anstrebenswerten Verhaltensmittelwert.

In Deutschland ist dieser Verhaltensmittelwert sehr deutlich umrissen.
Es gibt nicht viel Interpretationsspielraum von "Wir treffen uns um 16 Uhr".
Es gibt nicht nur gleichwertige Varianten, seinen Garten zu pflegen (eine wuchernde Wiese ist weniger anstrebenswert als ein englischer Rasen).
Den meisten Menschen ist Vegetarismus und Veganismus aeusserst suspekt.

Die vielen hunderten Regeln, nach denen wir in Deutschland taeglich lebten, fielen mir erst auf, nachdem es sie hier nicht gab.
Es gibt keinen Rasenprototyp.
Zu spaet kommen ist ok.
Kein Fleisch essen gehoert noch zu den weniger ausgefallenen Ernaehrungsgewohnheiten.

Das Wegfallen dieser Verhaltensmassstaebe fand ich zuerst sehr befreiend. In unserem Wohnblock in Deutschland gab es eine alte Dame, die uns tadelte, wenn wir unseren Briefkasten nicht taeglich leerten.
Unsere Nachbarn hier koennten sich nicht weniger um unseren Briefkasten scheren. Oder um den Teppich, den ich gewaschen habe und der dann 2 Wochen lang im Vorgarten aufgebahrt war, weil es so lange dauerte, bis er durchgetrocknet war. Oder um unsere dreckigen Autos, oder um laute Musik, oder die vielen Haustiere, meinen Hundesportparcour im Garten, die ausgerissenen Huehner, die in ihrer Einfahrt sassen. Oder darum, dass die Nachbarn gegenueber ein halbes Jahr brauchten, um einen riesigen Busch in ihrem Garten zu entfernen, dessen abgeschnittene, aber nicht abtransportierte Aeste dann ein gutes Drittel unserer Strasse versperrten.
Es ist einfach EGAL.

Juchu, dachte ich, das passte zu meinem jungen, dynamischen Weltbild. Niemand kuemmert sich, alle lassen mich in Ruhe machen, und ob andere Regeln befolgen, ist gleichermassen nicht mein Problem.

Nach dem ersten halben Jahr hatte ich dann einen ziemlichen Einbruch. Meine Mama war zu der Zeit gerade da (Oktober 2012) und troestete mich damit, dass es in Australien genauso gewesen sei: zuerst himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betruebt, und am Ende hat man eine optimistische und reflektierte Meinung.
Warum befolgen die keine Regeln? Es machte mich wahnsinnig. Warum ruft mich eine Freundin nicht an, wenn sie sagt, sie wuerde das machen? Warum verlaesst der Gaertner den halbaufgeraeumten Garten mit den Worten "Ich habe jetzt genug Geld verdient und will nicht mehr arbeiten?" alle doof, alle machten alles falsch, und vor unserem Weihnachtsurlaub 2012 war ich sicher, ich koenne in diesem Land nicht leben. Scheiss auf andere Kulturen, ich wollte zurueck in mein regnerisches Ilmenau mit den Spiessernachbarn.

Aber meine Mama hatte Recht, und seit einem dreiviertel Jahr geht es mir richtig gut mit der Andersartigkeit.

Viele Aspekte sind richtig schoen, zum Beispiel, dass Pauls Schule einfach alle Kinder in einen Kleinbus laedt und eine Erkundungstour macht. Oder dass ich mich nicht zum Affen machen muss beim erfolglosen Versuch, die Huehner im Garten der Nachbarn einzufangen ("Ist schon ok! Die stoeren uns nicht!"). Oder dass ich von allen Seiten richtig viel Zuspruch bekomme, meine genaehten Kleidungsstuecke zu verkaufen oder Hundetrainingsstunden zu geben. Es gibt keinen, der sagt "Nein nein, erst das Studium durchziehen! Lass dich nicht ablenken!" Es ist einfach in Ordnung, verschiedene Sachen nebenbei auszuprobieren. Das ist richtig klasse.

Andere Aspekte waren uns doch so suspekt, dass wir unsere eigenen Wege gefunden haben, sie so deutsch wie moeglich zu gestalten. Unser Gaertner kommt nun jede Woche zur selben Uhrzeit und arbeitet, bis alles fertig ist. Wenn er mehr als 15 Minuten zu spaet kommt, ruft er mich an.
Das erfreut mein deutsches Herz (da ich in Deutschland nie einen Garten hatte, nehme ich an, es liegt in den Genen).

 Und in die dritte Gruppe fallen die, die wir mit einem lachenden Auge betrachten. Vermutlich werde ich nie im Schlafanzug in die Kaufhalle fahren oder Besucher empfangen. Ich werde mich auch nie der gerade sehr beliebten Steinzeitdiaet, die aus viel Fleisch und Getreideverbot besteht, anschliessen.

Es ist nicht besser, es ist nicht schlechter, es ist einfach anders.

Liebe Gruesse!